Geburtsbericht - Madita
"Ich danke euch von ganzem Herzen und denke so oft an euch, wenn ich meinen nun fast zweijährigen Emil im Arm halte.“
Auch wenn meine erste Geburt laut Krankenhaus „wie im Bilderbuch“ verlief, fühlte ich mich nicht danach und wünschte mir von ganzem Herzen einen noch natürlicheren Verlauf, Geborgenheit und weniger Fremdbestimmung für die Schwangerschaft und Geburt meines zweiten Kindes. Das alles fanden wir dann in der Hausgeburtspraxis. Während der Schwangerschaft wurde ich wertschätzend, bestärkend und auch fachlich super betreut. Als Johanna dann zum ersten Hausbesuch kam, ich glaube das war auch das erste Kennenlernen mit ihr überhaupt, hatte ich sofort ein Gefühl von Sicherheit und hoffte insgeheim, dass sie mich bei der Geburt begleiten würde. Im November am späten Nachmittag telefonierte ich mit einer Verwandten und scherzte, dass heute ein Wunschdatum gewesen wäre, aber daraus wohl nun nichts mehr wird, da bisher nichts passierte und es ja auch noch mehr als eine Woche zum ET war. Dennoch war mittlerweile alles vorbereitet und am nächsten Abend sollte meine Schwester anreisen, um im Wochenbett zu unterstützen. Eigentlich hoffte sie die Geburt zu verpassen, da sie selbst nicht so gerne dabei sein wollte. Gegen 18:30 Uhr machte ich dann die Wäsche im Keller, der größere Bruder war bereits eingeschlafen. Im Keller hatte ich dann die erste Wehe, die mich hin fühlen und gespannt werden ließ. Einige Minuten später auf dem Sofa angekommen schaute mich mein Mann verdutzt an, als ich immer wieder meinte „oh da ist wieder eine Wehe“.
Ich war total entspannt und rechnete nicht damit, dass es nun losgehen würde. Mein Mann wollte dann aber doch einmal die Abstände und die Länge der Wehen stoppen und wollte dann auch gerne, dass wir mal bei der Hebamme anrufen. Das haben wir dann auch gegen 20 Uhr gemacht, um einmal zu besprechen was gerade los ist. Ich hatte schon deutliche Wehen, konnte teilweise währenddessen nicht mal richtig sprechen, dachte aber immer noch, dass das wieder vorüber gehen würde. So erklärte ich dann auch Johanna am Telefon, dass sie noch nicht kommen bräuchte. Wir vereinbarten, dass wir uns sofort melden, sobald wir das Gefühl haben, sie solle doch vorbei kommen und sie versicherte noch einmal, dass sie auch gerne wieder nach Hause fährt, sollte es ein Fehlalarm sein. Im Anschluss an das Telefonat habe ich mich in die Badewanne gelegt, ich wollte schauen, ob die Wehen im warmen Wasser verschwinden oder stärker werden. Das Wasser war wohltuend und die Wehen wurden stärker, ließen sich aber gut in der Wanne aushalten. Ich konnte meinen Oberkörper immer wieder auf die Ablage im Vierfüßerstand ablegen und die Wehen veratmen und mich anschließend zurück ins Wasser gleiten lassen. Als ich meinem Mann sagte, dass ich jetzt auch glaube, dass es losgeht, wollte er schlafen gehen. Ich brauchte einen Moment um zu verstehen, dass er an die letzte Geburt und die Kräftezehrende Nacht dachte und glaubte, es würde noch lange gehen und es wäre besser er Ruhe sich noch etwas aus. Daraus wurde dann aber nichts. Um kurz nach 21 Uhr beschloss ich dann Johanna erneut anzurufen und sie zu uns zu bitten. Sie kam so schnell es ging. Im Nachhinein erzählte sie, dass sie ihr Auto nach dem ersten Anruf bereits näher zur Wohnung geparkt und sich bereit gemacht hatte. So war sie trotz dessen, dass sie einmal durch die ganze Stadt fahren musste in kürzester Zeit da und wuselte plötzlich durch unsere Wohnung. In Windeseile baute sie um und auf, packte aus und war dann einfach da. Ich tigerte, nach dem ich das Gefühl bekam aus der Wanne raus zu müssen, durch die Wohnung und suchte einen Ort an dem ich bleiben wollte. Ich fand keinen und hielt mich während den Wehen an meinem Mann stehend fest. Johanna half mir aus der Misere heraus und bot mir an eine Pause auf dem Sofa zu machen. Ich hatte Angst mich hinzulegen, da ich bei der ersten Geburt nicht mehr hoch kam und in Rückenlage und erschöpft mein Kind zur Welt gebracht habe. Johanna aber versicherte mir, ich könne eine Pause machen und sie und mein Mann würden mich hochheben und aus der Position herausholen, wenn ich das möchte und mich nicht mehr wohl fühle. Die Entschlossenheit und Sicherheit die Johanna ausstrahlte war überzeugend. Ich konnte mich hinlegen und wurde ruhiger. Die Wehen wurden stärker und ich hatte das Gefühl mitschieben zu müssen. Wieder im Liegen zu gebären kam nicht in Frage und ich mobilisierte all meine Kraft und zog mich an der Hand meines Mannes vom Sofa aus liegend in den Vierfüßerstand vor dem Sofa. Dort angekommen wurde ich lauter und merkte, dass ich nicht mehr lange können würde. Johanna half mir mit klaren Worten, erklärte und half gezielt durch Druck mit ihren Händen am unteren Rücken und leichten Veränderungen an meiner Position. Unser großer Sohn wachte auf und war verwundert und weinte und mein Mann ging zu ihm und sagte einer Freundin der Familie Bescheid, die sich sofort auf den Weg machte. In der Zeit schauten die beiden Bücher an und mein Mann erklärte ihm, dass sein Bruder nun gleich da sein würde. Für mich war es ein Geschenk, dass ich nun alleine mit Johanna war. Ich konnte mich ganz auf mich konzentrieren und ehrlich fragen und sagen was ich empfand. Ich wollte nicht mehr, konnte nicht mehr, hatte das Gefühl es nicht zu schaffen. Johanna blieb ruhig, erklärte, drückte, blieb bei mir und unmittelbar danach war das Köpfchen da. Alles drückte und ich spürte nicht mehr was eine Wehe war und was nicht. Johanna sagte ich könne eine Pause machen, kurz Kraft sammeln und auf die nächsten starken Wehen warten. Für mich fühlte sich das falsch an und ich presste weiter. Sie unterstütze mich auch hierbei und im nächsten Moment hielt ich kniend Emil vor mir im Arm. Ich war überwältigt von der Kraft die ich hatte und dem unglaublichen Moment. Wir riefen meinen Mann und meinen Sohn die mit offenen Mündern ins Wohnzimmer kamen und sich sofort an uns kuschelten.
Für Johanna war es völlig in Ordnung, dass der größere Bruder (fast 3 Jahre alt) nun mit dabei war. Er fand alles interessant und hatte kein Problem mit dem Blut und der Geburt der Plazenta die dann kurze Zeit später auf dem Geburtshocker vor dem Sofa stattfand. Sogar beim durchtrennen der Nabelschnur half er Papa und fand es wahnsinnig aufregend. Nur zum Versorgen und Nähen des Dammrisses bat Johanna darum, etwas Ruhe zu haben und so sind die Freundin, die mittlerweile eingetroffen war und unser großer Sohn in ein Nebenzimmer gegangen und haben gespielt. Emil wurde noch an meinem Wunschtag geboren, um 22:59 Uhr und Johanna blieb bis weit in die Nacht und sorgte dafür, dass wir mit einem guten und sicheren Gefühl zu Hause blieben und dann tatsächlich irgendwann alle etwas schlafen konnten.
In den ersten Tagen nach der Geburt wurden wir dann auch noch liebevoll von Lisa versorgt. Ihre lockere, entspannte Art gepaart mit fundiertem Wissen war ein Segen für die ersten Tage im Wochenbett. Ich wünsche jeder Familie, jedem der eine Geburt erlebt, ob gebärend oder begleitend so wunderbare Hebammen wie die beiden es sind. Sie haben mir nicht nur eine unvergessliche und wunderschöne Geburtserfahrung geschenkt, sondern auch die Liebe zu meinem ersten Sohn spürbarer werden lassen. Durch die erneute Schwangerschaft und Geburt konnte ich die erste Geburt viel besser verarbeiten und wurde enorm gestärkt. Ich danke euch von ganzem Herzen und denke so oft an euch, wenn ich meinen nun fast zweijährigen Emil im Arm halte.
